
Menschen mit Behinderung wohnen oft in Wohngruppen, in denen gemeinsames Erleben, Kommunikation und soziale Teilhabe eine zentrale Rolle im Alltag spielen. Dabei sind verbale Verständigung und klassische Interaktionsformen häufig nur eingeschränkt möglich oder fallen sehr unterschiedlich aus. Musik eröffnet hier besondere Möglichkeiten: Sie ist leicht zugänglich, spricht Emotionen unmittelbar an und ist nicht auf Sprache angewiesen. Über Rhythmus, Klang, Vibration, Bewegung und Wiederholung entstehen individuelle Zugangswege sowie Momente des gemeinsamen Erlebens. Obwohl dieses Potenzial vorhanden ist, gibt es bisher nur wenige interaktive Systeme, die Musik gezielt als Kommunikationsmedium in gemeinschaftlichen Wohnsettings einsetzen. Insbesondere fehlt es an Ansätzen, die in explorativer Zusammenarbeit mit den Nutzerinnen und Nutzern entwickelt werden und dabei deren Wahrnehmungen, Vorlieben und intuitive Reaktionen systematisch berücksichtigen.

Gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband e. V. haben wir ein elektronisches Musikinstrument entwickelt, das Kommunikation über Musik ermöglicht: die Maupe. Statt ein fertiges Konzept anzuwenden, haben wir gemeinsam mit den Menschen herausgefunden, was für sie tatsächlich funktioniert. In der Wohneinrichtung für Erwachsene mit Behinderung in Ursberg haben wir mit den Bewohnerinnen und Bewohnern getestet, worauf sie reagieren. Diese Beobachtungen flossen direkt in die Entwicklung ein. Zur Diskussion standen zunächst eine Installation und ein Produkt. Am Ende entschieden wir uns für ein Instrument: die Maupe. Sie funktioniert intuitiv und reagiert über Klang, Vibration und Bewegung - unabhängig davon, wie jemand spricht oder sich bewegen kann. So wird nicht nur Kommunikation möglich, sondern vor allem gemeinsames Erleben.

Unsere Zielgruppe sind Menschen mit kognitiven und somatischen Behinderungen, die aufgrund der unterschiedlichen Schwere ihrer Behinderungen häufig in ihrem gemeinschaftlichen Erleben, ihrer Kommunikation und ihrer sozialen Teilhabe eingeschränkt sind. Durch die enge Kooperation mit dem Deutschen Caritasverband e. V. hatten wir die Möglichkeit, direkt mit der Zielgruppe zusammenzuarbeiten und ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Präferenzen zu ermitteln. Die Ergebnisse der Usertests mit der Zielgruppe, die wir in der gemeinschaftlichen Wohneinrichtung für Erwachsene mit Behinderung in Ursberg durchgeführt haben, flossen direkt in den Entwicklungsprozess unseres Prototyps ein.

Bei unseren Workshops mit der Zielgruppe haben wir drei Interaktionsformen mit Objekten gefunden, die für alle Teilnehmenden zugänglich und intuitiv verständlich sind: Schütteln wie bei einer Rassel, Aufziehen und Zusammenschieben einer Luftpumpe und Drehen um eine Achse. Auf diesen Erkenntnissen basierend entwickelten wir den Formfaktor der Maupe. Bestehend aus zwei zylindrischen Hälften, die sich auseinanderziehen, unabhängig voneinander drehen und als ganzes Objekt schütteln lassen, ist sie ein einfaches Design, das die drei Interaktionsformen kombiniert. Die Bewegungen werden durch im Gerät verbaute Sensoren erfasst und auf einem Raspberry Pi verarbeitet. Dort werden auch direkt die Töne erzeugt und auf einem internen Lautsprecher ausgegeben. Dank des integrierten Akkus kann die Maupe somit komplett kabellos und selbstständig verwendet werden.






Serafin Bodendorf


Andreas Dimpfl


Zoe Finkenzeller


Felix Geiger


Daniel Kroul


Saskia Schleicher



Gabriel Seibold


Felix Tamm


Kevin Welz


Marcel Winatschek

Projektteam
Team
Serafin Bodendorf, Andreas Dimpfl, Zoe Finkenzeller, Felix Geiger, Daniel Kroul, Saskia Schleicher, Gabriel Seibold, Felix Tamm, Kevin Welz, Marcel Winatschek
Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V. vertreten durch Irina Kuster
Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg vertreten durch Wilhelm "Willi" Engel